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  Unglaublich! Über 1.200 Münzen hat Peter Kling im Zuge der Depotsanierung seit November 2018 gesichtet, sortiert, geordnet und bestimmt. 1.200 !!! Und das ganze ehrenamtlich. Ein großes Dankeschön für diese großartige Unterstützung!



 Einführungsrede in die Franz-Martin-Kuen-Kunstausstellung

(von Ulrich Hoffmann)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Künstlerinnen und Künstler, liebe Freundinnen und Freunde unseres Museums!

 Ich darf Sie und Euch alle sehr herzlich zur ersten Franz-Martin-Kuen-Kunstpreis-Ausstellung in unserem wunderbaren Museum begrüßen!

 Ich tue das heute in Vertretung für unsere Stadtspitze als Stadtrat und Mitglied des Kulturausschusses unserer Stadt.

Weißenhorn ist eine Stadt der Kultur und der Bildung. Unser Museum ist für diese Kulturstadt ein ganz wichtiger Kristallisationspunkt.

 Weißenhorn ist eine Stadt der Kunst und der Künstler. Besonders ragt hier sicher unser Franz Martin Kuen heraus, der aus gutem Grund seit diesem Jahr der Namenspatron unseres schon traditionellen Kunstpreises ist.

Aber wir haben auch heute zahlreiche Künstlerinnen und Künstler in unserer Stadt und ich freue mich über diese wunderbare Ausstellung, die einiges vom Schaffen dieser Künstlerinnen und Künstler heute zeigt.

 Seien Sie uns alle also sehr herzlich willkommen!

 

Nun setze ich gedanklich den Hut des Stadtrates ab und den Hut des Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins Weißenhorn und Umgebung 1908 e.V. auf.

Und als solcher möchte ich ein paar Worte zu dieser Ausstellung unter dem Motto „Himmelhochjauchzend“ sagen:

 Zu Beginn des Barock gerät die Welt ins Wanken: Woher kommt der Rhythmus von Licht und Dunkelheit, der Leben und Zeit bestimmt?

Die Schriften des Galilei entfachen Zweifel über den Platz der Menschen im Sonnensystem.

Kriege und Seuchen führen an einen dunklen Rand der Existenz. Der Totentanz hält Einzug in Europas Kirchen, die gleichzeitig im Gold des Barock erstrahlen. Ein Tanz der menschlichen Gefühlswelt zwischen Licht und Schatten, zwischen Carpe Diem und Memento Mori.

In dieser bewegten Welt gerät die Melancholie zum Lebensmotto. Wenngleich Krankheitsbild, wird sie Antrieb künstlerischen Schaffens, wird Ausdruck und Genuss:

„Zahlreich und verschieden sind die Mittel, die die Philosophen und Ärzte verschrieben haben, um ein betrübtes Herz aufzuheitern, um abzulenken von jenen komplexen und intensiven Sorgen und Nachdenken, die diese Krankheit so sehr auszeichnen; aber meiner Meinung nach ist nichts so gegenwärtig, nichts so mächtig, nichts so angemessen wie ein starkes Getränk, Fröhlichkeit, Musik und gute Gesellschaft“ (Robert Burton 1577-1640).

Und so ist der Barock: es wird getanzt, gefeiert, gelitten und geweint, mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt.

Das passt ganz gut zu unserem Franz Martin Kuen, nach dem wir heuer zum ersten Mal den Weißenhorner Kunstpreis benennen.

Franz Martin Kuen wird am 8. November 1719 in Weißenhorn geboren. Die Stadt zählte damals 1200 Einwohner. Sie stand unter der Herrschaft der Grafen Fugger zu Kirchberg-Weißenhorn, gehörte gleichzeitig aber auch zu Vorderösterreich.

Die aus Pfundts in Tirol stammende Familie des Künstlers hatte sich um 1678 in Weißenhorn niedergelassen, wo sie als Spielleute und Krämer tätig waren.

Bereits der Vater Johann Jakob (1689 – 1759) und der Onkel Johann Baptist Kuen (1686 – nach 1721) hatten das Malerhandwerk ergriffen.

Johann Jakob betrieb in Weißenhorn eine gutgehende Werkstatt. Behutsam führte er die barocke Deckenmalerei in der Gegend ein. Zugleich war er als Lehrherr sehr beliebt. Zu seinen rund 25 Lehrlingen gehörte auch sein Sohn Franz Martin.

Nach der Ausbildung ging dieser jedoch vermutlich um 1736/37 nach Augsburg, um dort seinen künstlerischen Horizont zu erweitern und die neuesten Errungenschaften in der Deckenmalerei kennenzulernen. Seit den 1720er Jahren hatte diese Gattung in Süddeutschland als Teil der neuen Kunst des Rokoko eine stürmische Verbreitung erfahren. Landauf, landab wurden Kirchen und Kapellen mit farbenfrohen Deckenbildern versehen.

 

Die Barockmalerei wirkt illusionistisch und täuscht plastische Elemente vor. Es werden asymmetrische Einzelformen, auf- und abschwellende Rundungen, gesteigerte Proportionen, raumgreifende Gebärden und effektvolle Perspektiven bevorzugt.

Von Rom aus verbreiten sich die tiefräumigen, wohlgebauten, oft mythologisch staffierten „idealen Landschaften“.

Die Barockmalerei gipfelt in der scheinbar Innen- und Außenraum, Erde und Himmel verbindenden illusionistisch untersichtigen, apotheotischen Deckenmalerei.

Insgesamt kennzeichnend ist eine neue und vielgestaltige Bildpraxis. Sie wird geprägt durch eine in der Reformation angelegte Herausforderung des Bildverständnisses, mit Konsequenzen bis zur neuartigen Verflechtung von Wort und Bild.

 Die Bilder fordern auf eine neue Weise die Wahrnehmungskraft des Betrachters heraus, der die Kunst der Beobachtung und Selbstbeobachtung auch in seinem alltäglichen Leben brauchte. Die reiche und natürlich wirkende Bildform begünstigte ein „... Ausleben der Affekte im Zusehen ...“ (NORBERT ELIAS, 1897–1990).

 Das schließt auch die Spannung zwischen Freude an den Dingen, der Natur und der Erkenntnis einerseits und andererseits den Zweifel an des Menschen Beständigkeit, an der Gewissheit seiner Wahrnehmung und an seiner Fähigkeit, die Affekte zu beherrschen, ein.

 Kirchenräume werden zur Bühne gemacht. Dekoration und Plastik wirken fast überladen und mit verspielter Leichtigkeit organisiert. Am Übergang zum Rokoko entfaltet der Barock noch einmal die ganze Fülle seiner Fantasie, die nun über Ernst, Schwere und Pathos triumphiert.

 Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt.

 Als Ehe-, Familien- und Lebensberater denkt man da natürlich auch gleich an bipolare Störungen, die bis vor wenigen Jahren als manisch-depressive Erkrankungen bekannt waren. Kennzeichen sind extreme Stimmungsschwankungen, die Gefühle sind sozusagen außer Kontrolle. Das Verhalten und die Stimmung, die dabei zu beobachten sind, kann man dann mit einer Fahrt auf der Achterbahn vergleichen, die mit den unterschiedlichsten Emotionen daher kommt.

 Gerade in der Pubertät – dieser wunderbaren Zeit der Wunder, in der sich Erwachsene oftmals nur noch wundern können, gehören Stimmungsschwankungen einfach dazu und sind ganz normal. 

Himmelhoch jauchzend und im nächsten Moment ist alles Grau in Grau und gipfelt in der Erkenntnis: Niemand versteht mich.

Die Pubertät ist durch ein komplexes Muster unterschiedlicher Entwicklungsaufgaben gekennzeichnet und wird von einer Achterbahn der Gefühle begleitet.
Die Veränderung des Äußeren, die generell bei Mädchen früher als bei Jungen beginnt, verlangt nach der Akzeptanz und einer aktiven Entscheidung für das sich wandelnde Erscheinungsbild.

Das eigene Erleben rüttelt häufig am Selbstverständnis, stellt den Selbstwert und die Selbstkontrolle in Frage.

Gerade auch deswegen haben mich in diesem Jahr ganz besonders die Jugendarbeiten zum Thema unseres Franz-Martin-Kuen-Preises Himmelhochjauchzend interessiert und nun auch fasziniert.

45 Künstlerinnen und Künstler, haben die spannenden und faszinierenden Kunstwerke geschaffen, die in dieser Ausstellung nun versammelt sind. 66 Werke können wir zeigen. Die Jury mit unserem Museumsleiter Dr.Matthias Kunze, unserer Konservatorin Nicola Spies, Dr.Andrea Husmann-Sparwasser, Johanna Klasen und mir selbst – Ihnen allen sei ganz herzlich Dank gesagt! – hatte es wahrlich nicht leicht, unter der Vielzahl der bemerkenswerten Arbeiten die daraus noch einmal herausragenden und zu prämierenden Werke zu erwählen. So gilt mein Dank zunächst allen Künstlerinnen und Künstlern, die sich an unserem Kunstwettbewerb beteiligt haben und deren Werke wir hier nun ausstellen dürfen – danke! Es ist dank Ihnen eine herausragende Ausstellung entstanden!

 Und nun zu den Preisträgern:

 Da haben wir ein wahrhaft bodenloses Bild – eine wunderbare Portraitzeichnung, eine zarte Person, aus der es herausbricht – das Jauchzen, die Freude, die neue Erkenntnis?

Eine feine Zeichnung, ein Gesicht, in das von oben her Farbe eindringt – sie tut sich noch schwer, die Farbe, ganz durchzudringen – und doch verändert sie alles – das Leben wird bunter, aber vielleicht auch komplizierter – auch Risse und Brüche sind erkennbar.

Ana Micanovic ist hier ein faszinierendes Bild gelungen, dem sie den Titel „Durchbruch“ gegeben hat. Es lohnt sich, dieses Bild auf sich wirken zu lassen und hineinzuspüren. Herzlichen Dank liebe Ana Micanovic für dieses großartige Werk und Glückwunsch zum ersten Franz-Martin-Kuen-Jugendpreis!

 

Ganz anders das Werk links daneben: dieses Bild ist sozusagen kopflos. Aus dem engen, käfigartigen Raum gibt es ein Entkommen nur nach oben. Wohl dem, der dann das richtige Trampolin hat, dass den Weg in himmlische Freiheit verheißt. Die Basis zum Luftsprung, zum Himmelssprung, ist ein zartes Kreuz – himmelhochjauchzen kann vielleicht nur, wer auch das zu Tode Betrübte kennt und durchlitten hat.

Marianne Mostert hat mit diesem Werk ein wahres Meditationsbild geschaffen und ich freue mich sehr, dass gerade sie, die seit Jahrzehnten unsere Stadt und weit darüber hinaus die Umgebung mit ihrem künstlerischen Schaffen bereichert, unsere erste Franz-Martin-Kuen-Preisträgerin ist.

Und schließlich ist es mir eine ganz besondere Freude, heuer einen Sonderpreis vergeben zu dürfen. Wir sehen ein Werk, das Franz Martin Kuen sozusagen dekonstruiert, in seine Einzelteile zerlegt – vielleicht auch transparent, durchscheinend macht, für das, worum es Kuen in seiner Kunst eigentlich ging: in allem Fragment, in aller Brüchigkeit des eigenen Lebens, der eigenen Kunst den Himmel doch schon zu ahnen, zu spüren – himmelhochjauchzend, obwohl da wenig zusammen gefügt ist, himmelhochjauchzend, trotz all dem Schweren, dem Scheitern, dem Misslingen, der Gewalt und der Zerrissenheit. „Kuen frontal“, so hat Norbert Riggenmann dieses großartige Werk benannt, das für die Jury Anlass für einen Sonderpreis ist – und ich denke, Sie stimmen mir zu, absolut zurecht!

Norbert Riggenmann verdient den Preis für dieses Werk und darüber hinaus auch für seine Ausgestaltung der „corporate identity“ des Kuen-Jahres, die sich durch alle Publikationen dieses Jahres zieht – vom Tourenführer „Barock erfahren“ bis zu den Flyern, vom „Kuen-Kirchenheft – wie im Himmel so auf Erden“ bis zu den Roll-Ups. Und darüber hinaus wird Norbert im Kuen-Jahr auch ganz praktisch junge Künstlerinnen und Künstler in die Kunst der Fresken-Malerei einführen.

Preisverleihung!

 Nun darf ich Ana Micanovic und Norbert Riggenmann zu mir bitten, damit ich Euch die Preisurkunden aushändigen kann.

 Mit dieser Preisverleihung ist unsere Franz-Martin-Kuen-Kunstpreisausstellung nun eröffnet! Bis zum 3.März lädt die Ausstellung zum Besuch ein und ich hoffe, dass viele Menschen sich die Chance nicht entgehen lassen, diese bemerkenswerte Schau zu besuchen.

Gerahmt wird unsere Kunstpreisausstellung heute durch Martin und Sönke, denen ich sehr herzlich für die einfühlsamen Klänge danke. Das bringt mich dazu, auf das Programm zum Kuen-Jahr hinzuweisen. Unsere Abteilung KuKuLiMu – „Kunst – Kultur – Literatur – Musik“ lädt zu verschiedenen Konzerten ein. Nach dem wunderbaren Neujahrskonzert dürfen wir uns auf weitere kulturelle Höhepunkte freuen – beachten Sie dazu unsere Flyer, Plakate und die Presseveröffentlichungen.

Gleiches gilt auch für die museumspädagogischen Angebote, mit denen wir junge Künstlerinnen und Künstler zur Beschäftigung mit dem Ausstellungsthema einladen werden.

Ich freue mich sehr über die Ausstellung und das Kuen-Jahr, danke allen, die dazu beigetragen haben – von der Stadt Weißenhorn und dem Landkreis Neu-Ulm über die Volkshochschule, die katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Neu-Ulm und in der Stadt Ulm, die Gemeinde Roggenburg und das Kloster Roggenburg – und natürlich auch unser Museumsverein - und lade Sie ein, diese Angebote zu nutzen.

Gerne dürfen Sie natürlich auch durch Ihre Mitgliedschaft im Heimat- und Museumsverein Weißenhorn und Umgebung, der in diesen Tagen 111 Jahre alt wird, das Museum und die vielfältige Arbeit des Vereins unterstützen – Flyer auch dazu liegen vorne aus.


Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und bitte gleich wieder um selbige für Martin und  Sönke l!

Ulrich Hoffmann

 

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Kommende Veranstaltungen -

siehe auch "Aktuelles"


Ab sofort finden sich unter der Rubrik "Aktuelles" die jeweils aktuellen Protokolle von Mitgliederversammlung, Beirat und Vorstand, sowie aktuelle Hinweise.

Zudem hat die Mitgliederversammlung die Einrichtung einer e-mail-Liste beschlossen, durch die interessierte Vereinsmitglieder direkt über Aktuelles aus dem Verein und den Verein betreffende Nachrichten aus der Stadt informiert werden. Wenn Sie nicht bei der Mitgliederversammlung waren, aber gerne in diese Liste aufgenommen werden wollen, dann melden Sie sich bitte gerne bei uns an!


                                                 


 

Plakat19-1.pdf (281.54KB)
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